Fantasy-Tops

Pokale

Die besten 11, finden Zwerg & Elf


Konkurrenzlos
J.R.R. Tolkien: Mittelerde

Der Herr der Ringe

Der Hobbit, Der Herr der Ringe und Das Silmarillion – eine Gutenachtgeschichte, ein Roadtrip und ein Altes Testament. Ohne Tolkiens große Drei wäre die Fantasy von gestern und heute ganz einfach unvorstellbar. Der manisch detaillierte Weltentwurf, die ikonischen Charaktere, der einzigartige Ansatz, ein ganzes Universum auf Grundlage der Linguistik zu erschaffen, und das damals innovative weil erstmals erwachsene Konzept der Elfen, ähem, Elben – all das sucht noch heute seinesgleichen. Wenn man sich auf Tolkien einlässt, dann muss man allerdings auch verzeihen können. Zum Beispiel den durchgehend feierlichen Duktus, den kunterbunten Mythenklau, verdächtig südäquatorial anmutende Schurkenvölker und die überwiegende Abwesenheit von Weiblichkeit. Trotzdem: Mittelerde wird wohl bis in alle Ewigkeit die ultimative Blaupause der Fantasy bleiben. Und wer sich am Ende des sehr langen Endes vom Herrn der Ringe kein Tränchen verdrückt, ist so kalt wie Gollum seinen Fisch am liebsten hat.


Platz 1
George R.R. Martin: Das Lied von Eis und Feuer

Der Winter naht

Der Eisenthron lässt nur Platz für ein Gesäß, und das gehört dem weltweit zweitmeistgeliebten Fantasyautoren mit Doppel-R in den Vornamenskürzeln. Was zeichnet die perfekte fantastische Buchreihe aus? Story, Stil und Setting – und in allen drei Kategorien verdient Das Lied von Eis und Feuer sich einen Ehrendoktor. Außerdem den Sonderpreis in der Rubrik Ränkespiel. George R.R. Martins noch unvollendete und inzwischen vorrangig auf die Mattscheibe abgewanderte Fantasy-Hommage an die Rosenkriege ist zugleich genial und brutal, sensibel und explizit, geliebt und gehasst. Der abrupte Buchtod populärer Figuren wird zum Stilmittel, fiebriger Nervenkitzel und offenstehende Münder zur Gewohnheit. Und dazu noch solche Slogans: Der Winter naht; Valar Morghulis; Die rote Hochzeit; Du weißt gar nichts, Jon Schnee; Hodor. Kurz gesagt, hier jagt ein T-Shirt-Spruch den nächsten. Die Popkultur sagt danke.


Platz 2
Patrick Rothfuss: Die Königsmörder-Chronik

Die Königsmörder-Chronik

Folgende Behauptung: Die ersten zwei Drittel von Der Name des Windes, Patrick Rothfuss‘ Debüt und Auftakt seiner Königsmörder-Chronik, sind das beste Fantasybuch aller Zeiten. Mit einer berührenden Straßenkindgeschichte, einer lyrischen Musikergeschichte und einer fesselnden Zauberschulengeschichte, deren Magie so plastisch und logisch inszeniert ist, dass man sie am liebsten selbst ausprobieren möchte. Dann folgt leider das letzte Drittel. Und dann der zweite Band. Entwarnung, hier lauern bei Weitem keine Katastrophen, sondern immer noch verdammt gute Unterhaltung. Nur schleicht sich in eine Geschichte, die zu Beginn ebenso makellos wie märchenhaft erzählt wird, der bittersüße Beigeschmack von Ausschweifung und Selbstverliebtheit. Ganz zu schweigen von ihrem fehlenden Ende. Aber irgendwann werden Kvothe, Auri, Elodin und all die anderen faszinierenden Figuren am Arkanum der Universität von Imre ihr Finale erhalten. Hoffen wir, dass Rothfuss es schlauer (und fleißiger) anstellt als Martin und sich nicht von der eigenen Verfilmung überholen lässt.


Platz 3
Scott Lynch: Locke Lamora

Locke Lamora

Scott Lynch ist ein mindestens so komplizierter Fall wie sein Titelheld, der sympathische aber launenhafte Gentleman-Ganove Locke Lamora, denn beide schwanken zwischen Perfektion und Pustekuchen. Sieben Bände wurden versprochen, bislang aber nur drei geschrieben – seit 2006! So ein Faulpelz gehört in keine Bestenliste, oder? Und ob. Locke Lamora, seine Freunde, Verbündeten, Rivalen und Erzfeinde, seine sich nach und nach entfaltende Biografie und seine cleveren Coups in einer Welt der Masken und Kanäle sind so charmant und geistreich inszeniert, dass man Scott Lynch am Kragen packen, schütteln, anschreien und -betteln möchte, sich endlich wieder an den Schreibtisch zu setzen.


Platz 4
Tad Williams: Das Geheimnis der großen Schwerter

Das Geheimnis der großen Schwerter

Zum Glück gibt es in der Fantasy Elfen, Zwerge, Trolle und Riesen, denn mit menschlichen Charakteren hat Tad Williams so seine Schwierigkeiten. Aber wenn er uns von seinen Feenvölkern erzählt, von den goldäugigen Sithi und den bleichen Nornen, dann wird es im doppelten Sinne magisch. Das Geheimnis der großen Schwerter, das mit der wortgetreuen Übersetzung aus dem Englischen (Erinnerung, Leid und Dorn) eigentlich einen sehr viel schöneren Titel verdient gehabt hätte, wurde Ende der 80er begonnen und sah sich stets mit hartnäckigen Tolkien-Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Nach Parallelen zwischen Osten Ard und Mittelerde muss man tatsächlich nicht lang suchen, und weder der abgedroschene Coming-of-Age-Part noch das skandalös banale Ende verleihen der Geschichte großen Glanz. Doch neben Längen und handwerklichen Schwächen bietet Williams‘ Reihe auch Zauber, Atmosphäre und erzählerische Urgewalt. Genug, um ihr nach dreißig Jahren ein umjubeltes Sequel zu spendieren.


Platz 5
David Hair: Die Brücke der Gezeiten

ein sturm zieht auf

Eine magische Brücke und zwei fiktive Kontinente, die Abziehbilder der mittelalterlichen Morgen- und Abendlande sind, machen eine Story noch lange nicht zur Sensation. David Hairs facettenreiche Figuren, komplexe Handlungsstränge und sein brillanter Erzählfluss dagegen schon. Die Brücke der Gezeiten ist politisch, philosophisch, gesellschafts- und religionskritisch, zugleich herzlich, romantisch und dramatisch, vor allem aber ist sie herausragend geschrieben. Vier (für den deutschen Buchmarkt jeweils geteilte) Bände, von denen man keinen einzigen gern aus der Hand legt.


Platz 6
Anthony Ryan: Rabenschatten

Rabenschatten

Man kann Anthony Ryan vorwerfen, dass Klasse und Charakter seiner Rabenschatten-Reihe dem Erdboden mit jedem Band ein Stückchen näher kommen. Trotzdem steht auch der letzte und schwächste Teil der Trilogie noch als funkelnder Stern am viel zu oft zappendusteren Fantasyhimmel. Und Band eins, Das Lied des Blutes, ist bereits ein ganzer Kosmos. Wenn Vaelin Al Sorna vom Ordensnovizen zum Kriegshelden wider Willen heranwächst, seinem okkulten Gegenspieler von Buch zu Buch näher kommt und dabei immer stiller, melancholischer und machtloser wird, dann taucht man als Leser in einen tiefen, oft traurigen, aber immer wunderschönen Ozean ab und nicht so schnell wieder auf.


Platz 7
Leigh Bardugo: Krähen

Das Lied der Krähen

Rache ist in Leigh Bardugos Krähen-Zweiteiler Motto, Motivation und Masterplan zugleich. Und sie wird so kalt, düster und stilbewusst serviert wie eine Henkersmahlzeit im nachtschwarzen Nadelstreifenanzug. Das Grischa-Sequel trumpft mit spannender Story, smarten Figuren und einem großartig in Szene gesetzten Verbrechermilieu in Steampunk-Kostümierung auf. Band eins, Das Lied der Krähen, ist ein Kracher, Band zwei, Das Gold der Krähen, eher ein Krächzer, trotzdem Pflichtlektüre. Ein dichtes Duo, das in Blitzgeschwindigkeit zum Aushängeschild neuzeitlicher Fantasy avanciert ist.


Platz 8
Daniel Abraham: Die magischen Städte

Die magischen Städte

Daniel Abrahams ebenso poetische wie sperrige Tetralogie vor fernöstlicher Kulisse ist allein schon wegen ihres philosophischen Mehrwerts ein ewiger Liebling. Ideen, die eine willensbegabte, quasimenschliche Gestalt annehmen und die ursprüngliche Idee Wirklichkeit werden lassen können. Wahnsinn. Hinzu kommt, dass der synonymverliebte Vater des Gedanken Sätze ebenso filigran konstruiert wie Figuren und Geschichten – auch wenn letztere eher durch Intelligenz als durch Spannung glänzen. Wären Die magischen Städte hier und da etwas weniger um die Ecke gedacht, dann wäre es ein noch größeres Vergnügen, sie zu lesen.


Platz 9
Brian Staveley: Thron

Die Thron-Serie

Brian Staveleys Chronik des unbehauenen Throns – so wäre die Reihe eigentlich korrekt aus dem Englischen übersetzt – erinnert atmosphärisch stark an Anthony Ryans Rabenschatten. Die Geschichte dreier charakterlich wie biografisch sehr unterschiedlicher Thronerben eines plötzlich kaiserlosen Reiches bietet Politik und Religion, Rätsel und Intrigen, vor allem aber originelle Gedankenspiele. Allein die faszinierenden und nicht weniger beängstigenden Csestrim in ihrer Ambivalenz als Ahnen und zugleich Todfeinde der Menschheit hätten enormes Prequelpotenzial. Plausibilität und Durchblick gehen spätestens im Finale ein wenig verloren, außerdem verzettelt sich Staveley in seinem eigenen Pantheon, Pageturner sind aber alle drei Bände.


Platz 10
Brian McClellan: Die Powder-Mage-Chroniken

BlutschwurMit napoleonischem Flair und magischem Schwarzpulver sorgen Brian McClellans Powder-Mage-Chroniken für erfrischende Exotik unter all den schwertschwingenden Mittelalter-Monumenten der Fantasy. Und sie bieten gleich drei Geschichten in einer: Krimi trifft Politik trifft Mystik. Noch überzeugender als der packende Putschistenplot und die originelle, wenn auch leicht skizzenhafte Szenerie ist das Ensemble der Reihe: sympathisch, glaubwürdig und immer eckig-kantig statt schwarz-weiß. Die sporadischen Logiklöcher seines Dreiteilers flickt McClellan mit Charme, Atmosphäre und stilistischer Eleganz.


Knapp daneben

Das Erwachen des FeuersAnthony Ryan: Draconis Memoria
Drachen, Dampf und Spionage.

Die HexenholzkroneTad Williams: Der letzte König von Osten Ard
Sequel der 80er-Ikone.

die prüfungJay Kristoff: Nevernight
Eine Assassine und ihr Schatten.

Die zwölf KönigeBradley Beaulieu: Die Legenden der Bernsteinstadt
Widerstand in der Wüste.

 

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