Rezension: Justin Travis Call – Sohn der Sieben – Die Keos-Saga 1

Justin Travis Call erzählt in Sohn der Sieben eine Geschichte, deren überschaubare Mysterien bereits vom Buchdeckel ausgeplaudert werden: Ein Waisenjunge mit ungeklärter Herkunft geht morgens in die Klosterschule für Dogmatiker, hat nachmittags Nachhilfe in Zauberei beim nebulösen Ersatzvater und sucht abends seine Bestimmung als Auserwählter im Zickenkrieg der Götter.


Fantasy wie vor 30 Jahren: Call kopiert die Tolkien-Kopien der 80er und dreht kräftig am Rad der Zeit. Wer daran Spaß haben will, muss das Vorgestern lieben und den Zeitgeist hassen.


Elf … verfällt in Nostalgie

Justin Travis Call lässt sich zum Start seiner Keos-Saga Zeit, viel Zeit. Eine Welt muss erklärt werden, Mythen müssen ausgebreitet, Helden und Schurken porträtiert werden. Pünktlich zur Buchmitte folgt der klassische Karten-auf-den-Tisch-Moment, schubst das Erzähltempo an und verspricht finale Dramatik. Ja, so hat man das damals gemacht. Und heute? Natürlich hat diese Art von Fantasy noch immer ihre Berechtigung. Nicht zuletzt durch treue Fans. Sie widerlegt allerdings auch die ewige Nostalgikerweisheit, dass früher alles besser war.


Zwerg … fällt in die Narkose

Kennt ihr den alten Cartoon-Gag mit den Streichhölzern, die zwischen müde Augenlider geklemmt werden? Ich war kurz davor. Hier die Liste der schlimmsten Schlaftabletten: Auserwählter wird erwachsen, magischer Mentor mit Bart, Prüfungsstress in der Akademie für Waisen, Lovestory mit Hindernissen, Göttergezanke. Wenn wenigstens die Schreibe nicht so umständlich wäre, der Plot so plattgewalzt und der Kosmos so kryptisch. Ist aber. Und immer, wenn die Story doch mal die Schablone verlässt, und die Figuren aus dem Klischee flüchten, wird es leider unpassend und absurd, manchmal auch geschmacklos und grotesk. Zum Beispiel, wenn der große Zauberer der Geschichte zum Frühstück einen hundert Jahre alten Schinken aus dem magischen Sack zieht. Oder wenn unser Held seine inneren Konflikte durch einen lebensrettenden Luftröhrenschnitt beim gerade k.o.-gehauenen Monster zum Ausdruck bringt. Witzig ist das übrigens nicht gemeint.


Sohn der SiebenFür …
die Busfahrt
die Couch
die Ewigkeit

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