Rezension: Nicholas Eames – Könige der Finsternis

Fünf Radaubrüder im Rentenalter suchen die verlorene Jugend einer ehemaligen Söldnertruppe mit Rockstar-Attitüde. Und sie gehen auf eine Nicht-ohne-meine-Tochter-Rettungsmission, die durch chaotische Possen, Kneipenschlägereien, durchgeknallte Dialoge und einen monsterverseuchten Märchenwald führt. Nicholas Eames hat ein Buch geschrieben, von dem viele Fantasyautoren träumen: Komplett klassische Kost, die aber so rebellisch, anarchisch und zugleich sympathisch inszeniert ist, dass sie das Zeug zur Genre-Ikone hat. Und auch noch zum Totlachen ist.


Am besten hörst du an dieser Stelle einfach auf zu lesen und läufst in den nächsten Buchladen. Denn das hier ist nur eine lahme Rezension, und der echte Spaß wartet in der Geschichte. Fest versprochen.


Elf meint: »Könige der Komödie«

Endlich – den Göttern des Geschreibsels sei Dank – ein Fantasyautor, der beides kann: Ernsthaftigkeit und Humor. Denn immer, wenn sich Nicholas Eames‘ Söldner-Roadtrip bedrohlich nah am Klamauk bewegt, werden ebenso seriöse wie sensible Passagen eingestreut, die nicht nur die Story, sondern vor allem ihre Figuren von der Komödienbühne zurück in den Tiefgang schubsen. Und so lacht man nicht nur mit den fünf Flegeln, man zittert auch und fiebert, trauert und jubelt. Ich lehne mich jetzt mal so weit aus dem Fenster, dass ich draußen schon im Handstand stehe: Selbst wenn der Winterwind noch durch Türen aus Stein pfeifen sollte (zwinker), wird es schwer, die Könige der Finsternis vom diesjährigen Fantasythron zu kippen.


Zwerg … war zum Lachen im Keller

Vielleicht habe ich hier und da schon mal erwähnt, dass ich nicht der allergrößte Fan witziger Fantasy bin. Warum? Weil sie einfach nie witzig ist. Fast nie, muss ich inzwischen zugeben, denn Nicholas Eames‘ Rüpelrentner ließen mich kichern, grinsen und manchmal sogar halblaut lachen. Aber muss er dann gleich übertreiben? Es gibt Potenz-, Rülps-, Sauf- und Hau-Drauf-Witze im Dreiseitentakt. Eine Spur Humorzensur hätte der Geschichte gutgetan. Ich könnte noch rummotzen, dass das Setting so grell und plakativ ist wie ein Videospiel für Kids mit Fantasieblockade, dass der mythologische Überbau Alibicharakter hat und der Oberschurke Häschenohren (!), oder dass die Ungeheuer von Drache bis Kobold größtenteils aus dem Malbuch der Nullachtfünfzehn-Märchen stammen. Aber lieber stell ich mir zum Schluss zwei Fragen: Hätten mich die Könige der Finsternis ohne ihre Blödeleien mehr beeindruckt? Auf jeden Fall. Hat mir das den Spaß am Buch verdorben? Auf keinen Fall.


Könige der FinsternisFür …
die Busfahrt
die Couch
die Ewigkeit

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