Rezension: Jay Kristoff – Das Spiel – Nevernight 2

Jay Kristoff wollte zum Start von Nevernight unbedingt eine Schulgeschichte erzählen. Jetzt hat er sich für eine Gladiatorengeschichte entschieden. Und der Gewinner im Wettstreit um den ausgelatschtesten Schuh ist? Kandidat drei, die Assassinengeschichte.


Wem Story und Setting von Teil eins gefielen, wird nicht zwangsläufig auch Teil zwei mögen – und umgekehrt. Außerdem folgender Warnhinweis: Nichts für Leser mit konservativer Sexualmoral, nervösem Magen oder Anspruch an stilvollen Humor.


Elf meint: »Blut im Sand ist wie Cocktails am Strand«

War in der ersten Nimmernacht noch reichlich unklar, wer oder was die Rote Kirche eigentlich sein soll – Religion oder Rebellion, Syndikat oder Sekte – hat sich Jay Kristoff inzwischen festgelegt: Berufsmörder bieten Escortservice. Und so beginnt dieser zweite Band mit einem Einblick in den Arbeitsalltag einer Assassine: verkleiden, verstellen, verführen, verunstalten. Und hopp, schon springt der Plot in blutigen Sand. Okay, was man über eingeölte Fleischberge mit Schwert und Röckchen in Buch X noch nicht gelesen hat, das kennt man aus Film Y oder Serie Z. Aber, was soll ich sagen, Nevernight hat Arena-Action einfach drauf. Man weiß, was kommt, und trotzdem machts Spaß. Zum Schluss noch zweimal Sonderlob. An das clevere Durchschütteln scheinbarer Wahrheiten aus Teil eins und an das finale Feuerwerk. So positiv twisty, spannend und frustfrei müssen offene Enden geschrieben sein.


Zwerg meint: »Schattenboxen mit Ulknudeln«

Jay Kristoff nennt seine Leser immer noch »edle Freunde«, er hat nach wie vor ein Faible für Fußnoten und Körperflüssigkeiten, und er erzählt schon wieder zwei zeitversetzte Geschichten gleichzeitig. Plot A: Intrigenspiel unter Assassinen, bei dem die Seiten so oft gewechselt werden wie der Tisch beim Speed-Dating. Plot B: Gladiatoren, gähn. Die Dosenravioli unter den Fantasy-Menüs. Und für den unwahrscheinlichen Fall, dass seine ulkigen Weisheiten aus dem Off uns den Abend noch nicht genug versauen, hat sich Kristoff ein neues nervtötendes Feature ausgedacht: Zwei Schattentiere als sprücheklopfende Sidekicks im Dauerstreit. Immer wenn man denkt, es geht nicht schlimmer… Man muss Nevernight nicht gleich mit Fackeln und Mistgabeln aus dem Dorf treiben. Aber man muss Jay Kristoff vorwerfen, dass er die Geschichte mit seiner exzentrischen Stilistik nun schon zum zweiten Mal ihres eigentlichen Potenzials beraubt.


Das Spiel

Für …
die Busfahrt
die Couch
die Ewigkeit

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s