Rezension: Jay Kristoff – Die Prüfung – Nevernight 1

In einer Welt ohne Nacht ist die Sonne Despot und der Schatten Zuflucht, Waffe und Religion zugleich. Also hat sich in Jay Kristoffs Nevernight gleich eine ganze Kirche der Dunkelheit verschrieben und dem, was man darin am besten tun kann: Hälse durchschneiden. Die perfekte Schule des Lebens, um rachefixierte Teens durchs Mörderabitur zu geleiten. Richtig gehört, noch eine Assassinen-Story.


Sag mal Nevernight, warum musste ich dich damals eigentlich weglegen? Ach ja, weil du genervt hast. Und warum jetzt doch die zweite Chance? Weil ich Resthoffnung hatte – und ein bisschen Langeweile. Die eine ist geblieben, die andere ist verschwunden.


Elf meint: »Bestnoten in Nervenkitzel«

Mia Corvere wurde ihrer Familie, ihres Zuhauses, ihrer Zukunft und fast auch ihres Lebens beraubt. Die traurigen Höhepunkte ihrer in Rückblenden erzählten Kindheit, verbunden mit dem Ruf nach Rache und einem buchstäblich schattenschwarzen Geheimnis sind die Stars dieser Düster-Fantasy vor römisch-venezianischer Kulisse. Und natürlich die sogenannte Rote Kirche. Jay Kristoffs Killerschule zeigt einige Parallelen zu einer anderen, sehr bekannten Bildungseinrichtung: Nebulöse Mentoren, Erzfeinde in der Schülerschaft, Wettbewerbe, Prüfungen und eine vor Mysterien strotzende Lehranstalt. Vorbild erkannt? Aber weil Kristoff wohl der Meinung ist, dass Rowling in Hogwarts zu wenig Ketchup verspritzt hat, gibt es in seinem Unterricht Spitzes, Scharfkantiges und Giftiges bis der letzte Gong ertönt. Und wenn das fiese Pädagogenpack seine drakonischen Lehrmethoden ausnahmsweise mal in die große Pause schickt, dann sorgen vielfarbige Ortswechsel, Flashbacks mit Aha-Effekt und ein durchaus spannendes Such-den-Mörder-Spiel für Bestnoten in Nervenkitzel.


Zwerg meint: »Fußnoten zum Augenrollen«

Jay Kristoff hält sich für witzig. Er stopft sein Buch mit albernen Anekdoten und Blödelkommentaren in Fußnotenform aus und glaubt, das sei unterhaltsam¹. Stellt sich also die Frage: Ist es okay, ein Buch wegen dieser einen frustrierenden Facette wütend zuzuklappen? Ja, verdammt. Und ich sag euch was, der Autor hat es gar nicht anders verdient, denn er stellt seine gockelhafte Selbstverliebtheit über die Bedürfnisse der Leser. So. Und was hat die eigentliche Geschichte zu bieten? Von Coming of Age bis Rachepfad, von Magie in der Schule bis Assassinen-Gedöns, vom römischen Imperium bis zur okkulten Wüste furchtbar wenig, was man nicht schon mal gelesen hätte. Dazu ein paar passable, aber ziemlich vorhersehbare Twists, viele unappetitliche Arten zu sterben und eine, milde ausgedrückt, fragwürdige Kollateralschadensethik: Wenn das hundertste Opfer den Tod verdient, dann waren die neunundneunzig anderen Morde es wert. Wenigstens das ist originell.

¹ Ist es nicht. Es ist anstrengend, nervtötend, zum Augenrollen.


die prüfung

© Fischer Tor

Für …
die Schublade
die Busfahrt
die Ewigkeit

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