Rettet den Fantasy-Buchtitel

Wenn Fantasybücher Kinder wären, dann hätten sie Namen wie Zorro-Gaetano oder Desiree-Dream. Von allem zu viel, außer vom Stil. Ein dringender Fall für die Geschmackspolizei.


So leid es mir tut, aber die Fantasy ist allen anderen literarischen Genres im Wettlauf um die peinlichsten Überschriften mindestens eine Stadionrunde voraus. Nicht nur das, es wird gegenseitig geklaut, kopiert, nachgeplappert, stumpf und stereotyp gefloskelt, dass sich der Buchdeckel vor Scham nach innen wölben möchte. Und nichts für ungut, liebe Selfpublisher, aber eure unlektorierten Eigengewächse haben den Garten in letzter Zeit auch nicht gerade verschönert.


the name of the wind

Es folgen ein paar alarmrote Tabus: Herren, Herrscher, Ahnen, Erben, Meister, Magier, Zauberer, Zeichen, Siegel oder Symbole von irgendwas, irgendwem oder irgendwo will wirklich niemand mehr lesen. Bitte auch Primzahlen in Verbindung mit Klischee-Utensilien vermeiden – drei Schwerter, fünf Ringe, sieben Steine. Und vollkommen von vorgestern sind Chroniken, Annalen, Legenden, Lieder, Bücher, Zyklen und alle anderen blumigen Synonyme für Gesammeltes. Wie schöne Headlines gehen, weiß zum Beispiel Patrick Rothfuss. Dem Wind einen Namen und dem Weisen die Furcht zu geben, ist poetisch und trotzdem angenehm dünn aufgetragen. Ebenfalls keine Chance hat die Binse bei Daniel Abraham, dessen geistreiches Long Price Quartet hierzulande allerdings als Die magischen Städte in furchtbar seichtem Wasser strandete. Und überhaupt, viele internationale Buchtitel werden erst beim Grenzübertritt so richtig ramponiert. Womit wir beim nächsten Problem wären, …


the dragonbone chair

… der Eindeutschung. Nehmen wir mal einen der populärsten Kandidaten, George R.R. Martins A Game of Thrones. Der deutsche Zweiteiler schleppt seit traurigen zwanzig Jahren die Kopf(schmerz)zeilen Die Herren / Das Erbe von Winterfell mit sich rum. Und daran stimmt einfach gar nichts. Kein inhaltlicher Sinn, kein Bezug zur Story, kein Verweis aufs Original, und obendrein hört sich das Ganze auch noch bekloppt an. Die Alternativtitel späterer Ausgaben – Eisenthron und Der Winter naht – sind schon große Fortschritte. Trotzdem, was sprach eigentlich jemals gegen die Eins-zu-eins-Übersetzung Ein Spiel um Throne? Mein liebstes Beispiel in diesem Zusammenhang war schon immer Tad Williams‘ Osten-Ard-Reihe Memory, Sorrow and Thorn, deren deutsche Version Das Geheimnis der großen Schwerter so viel Spannung verspricht wie die Innenansicht einer Schlafmaske. Dabei hatte man mit Erinnerung, Leid und Dorn doch schon den Sechser auf dem Lottoschein. Schöner als diese verpasste Chance kann kein Titel klingen. Aber Vorsicht, das englische Original einfach stehenzulassen, ist noch öliger als die holprigste Abwandlung. Beispiele gefällig? Nevernight, Mortal Engines, Iron Age, Under the Northern Sky, Empire of Storms – tja Leute, in dieser Disco läuft nur Mittelalter-Metal.


Alle, denen noch ein paar hübsche Beispiele für die Chantalisierung der Fantasy einfallen, oder auch Verbesserungsvorschläge für verkorkste Klassiker, sind herzlich zum Kommentieren eingeladen. P.S.: Die Genrebezeichnung »Fantasy« ist eigentlich auch sehr peinlich. Klingt nach Eisbecher, Cocktail oder Ab-18-Lokal und kann gleich mitkorrigiert werden.

2 Gedanken zu “Rettet den Fantasy-Buchtitel

  1. eiti schreibt:

    Besonders misslungen finde ich z.B. die deutschen Titel der First Law Triologie von Joe Abercrombie. Da wird aus super passenden Titeln wie „A Blade Itself“ mal eben „Kriegsklingen“ oder aus „Before They are Hanged“ dann „Feuerklingen“ und mit jeder weiteren Fortsetzung wird es dämlicher, weil der deutsche Titel – wohl aus vertrieblichen Gründen – immer auf „klingen“ enden muss, wtf?

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