Rezension: Philip Reeve – Jagd durchs Eis – Mortal Engines 2

Die mobilen Metropolen sind zurück auf der Straße. Oder besser gesagt: auf dem Eis. Denn in Teil zwei der kauzigen Steampunk-Reihe Mortal Engines tauschen Philip Reeves rollende Ungetüme ihre Räder gegen Kufen und schlittern mit Tom, Hester und einer Handvoll neuer Gesichter durch die Arktis.


Dass die Geschichte weiterhin aus der launig beschwipsten und völlig epikfreien Vogelperspektive herabgezwitschert wird, die schon den Vorgänger zum Sonderling machte, muss man mögen. Tut man das, dann macht die Absurdität plötzlich Platz für Charme und Poesie.


Elf meint: »Noch mal verliebt? Ja!«

Neuer Teil, altes Rezept. Jagd durchs Eis ist genau wie Krieg der Städte ein kurzes, schnelles Buch mit zackigen Orts- und Perspektivwechseln, flottem Spannungsaufbau und positiv chaotischem Schlussspektakel. Und während sich Teil eins mit seinem fesselnden Finale bereits ein kleines Krönchen aufsetzte, schaltet Reeve diesmal gleich zwei große Endspiele in Reihe. Außerdem schwingt er – wenig subtil, dafür sehr skurril – die allegorische Keule: Konsumkritik, Technologieskepsis, Antikriegsattitüde, sogar Vater Überwachungsstaat darf in eine Fieslingsrolle schlüpfen. Und doch bleibt zwischen all den röhrenden Maschinen, verrückten Tüfteleien, frankensteinigen Kreaturen, Aristokraten, Extremisten und Scharlatanen der Kern der Geschichte ein kleiner: nämlich die sympathische, unkitschige Lovestory der Fixsterne Tom und Hester.


Zwerg meint: »Noch mal verziehen? Nein!«

Stimmt schon, Stil und Story bleiben in der Spur. Trotzdem, oder vielleicht genau deshalb, kann ich über die vielen handwerklichen Pannen des Plots nicht mehr so kulant hinwegsehen wie beim Vorgänger. Teil zwei zementiert die Gewissheit, dass Mortal Engines nicht weniger, aber auch nicht mehr bietet als altmodische Abenteuergeschichten mit Schießereien, Hetzjagden, Helden und Schurken. Den genretypischen Erfordernissen von Sci-Fi oder Fantasy wird Reeves Reihe aufgrund ihrer Oberflächlichkeiten endgültig nicht mehr gerecht. Und dann wäre da noch der schrullige, diesmal viel zu oft ins Klamaukige kippende Humor mit einigen schlimmen Rohrkrepierern. Auch die wiederkehrenden Anspielungen auf die Dummheiten unserer Gegenwartskultur verdienen bestenfalls noch ein Höflichkeitsschmunzeln. Vielleicht ist der Gedanke unfair, aber er nagt trotzdem: Ich wünschte, Reeve hätte seine Geschichte weniger seicht und ulkig verfasst. Denn dann würde der Zauber, der seiner Sprache in dicken, goldenen Honigtropfen anhaftet, viel süßer schmecken.


Jagd durchs Eis

Für …
die Busfahrt
die Couch
die Ewigkeit

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