Rezension: Ed McDonald – Im Zeichen des Raben – Schwarzschwinge 1

Wenn Götter Krieg führen, haben Land und Leute nichts zu lachen. Ed McDonald versammelt kaputte Typen in einer kaputten Welt und lässt sie aus allen Rohren feuern und fluchen.


Du willst Action? Kriegste. Dresche und Geballer bis die Zinne aus der Burg fliegt. Du legst dich ungern fest? Auch gut. Hier lauert ein stilistisches Schleudertrauma aus martialischer Fantasy, Steampunk, Apokalypse, Götter- und Gruselgeschichten, außerdem Physik, Maschinenbau, Irrenhaus und Rotlichtmilieu.


Elf … muss sich die Ohren mit Seife auswaschen

Aus dem Unterarm-Tattoo eines Kopfgeldjägers schlüpft ein lebensgroßer, sprechender Rabe, um Gottes Botschaften zu überbringen. Eine Zauberin pflückt Mondlicht aus der Luft und spinnt daraus Energiefäden für Lampen, Waffen und Maschinen. Das sind nur zwei Beispiele aus Ed McDonalds positiv durchgedrehtem Ideen-Potpourri. Im Zeichen des Raben ist tempo- und einfallsreich, roh und direkt, es liefert ein ebenso kreatives wie ekliges Bestiarium und jede Menge Erwachsenenjargon. Hinter dem Wettfluchen aus Ich-Perspektive verbirgt sich allerdings ein durchaus komplexer Plot: Weil sich zwei Fraktionen göttergleicher Kreaturen im Dauerclinch um die Allmacht befinden, hat sich ein Teil der Welt in die Apokalypse verabschiedet. Vor diesem Hintergrund kommen der zu ungesunden Ausschweifungen neigende Veteran Ryhalt Galharrow und seine magiebegabte Jugendflamme einer Verschwörung um Spionage, physikalische Paradoxien und Superwaffen auf die Schliche. Abgefahren? Stimmt.


Zwerg meint: »Nicht jeder Säufer ist ein Buch wert«

Keine Ahnung, der wievielte dauerbesoffene, vom Leben in die fünf Buchstaben getretene Drecksack mit Defätismus auf den Lippen und Kotze im Bart mir hier als Antiheld zum Liebhaben vorgesetzt wird. Muss ich mal bei Sandor Clegane nachfragen. Fest steht, Ed McDonald verwechselt Authentizität leider zu oft mit Obszönität und trägt seine Geschichte deshalb unnötig vulgär vor. Dass sein literarisches Niveau immer dann steigt, wenn der Pegel an Kraftausdrücken sinkt, sollte ihm zu denken geben. Das gilt auch für die zu hohe Dichte an Kalauern und flachen Onelinern. Im nächsten Band bitte weniger Witze, dafür bessere. Und die Spannung? Nach flottem Beginn durchschreitet die Buchmitte ein tiefes Tal, wo sich die Handlung in mäßig mitreißenden Versteckspielchen und Verfolgungsjagden verliert und das Offensichtliche ständig wiederholt wird. Gegen Ende ziehen Tempo und Dramatik wieder an, lüften Geheimnisse, machen Spektakel und ganz viel Krach, leider bricht aber spätestens hier das erzählerische Chaos aus. Noch dazu muss man dem Autor vorhalten, dass er zwar ein großes Fass voll archaischer Mysterien und biografischer Andeutungen auf die Theke stellt, der Zapfhahn jedoch bestenfalls tröpfelt. So bleibt McDonalds Pantheon am Ende ebenso rätselhaft wie seine Charaktere konventionell.


Im Zeichen des Raben 2

© Blanvalet

Für …
die Schublade
die Busfahrt
die Ewigkeit

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