Rezension: Brian McClellan – Blutschwur – Die Powder-Mage-Chroniken 1

Für eine anständige Revolution braucht man fähiges Personal. Zum Beispiel sogenannte Pulvermagier – seltene Superschützen, die am Schwarzpulver schnüffeln und ihre Munition anschließend kilometerweit in feindliche Herzen und Hirne lenken. Brian McClellans 2013 erstveröffentlichtes und preistragendes Debüt bietet rollende Royalistenköpfe, Schießereien und Schlachten und ein dickes Kanonenrohr voll Magie und Mystik.


Der König ist tot, lang lebe der … Gott? So ungefähr, denn nach dem Staatsstreich geht der Ärger erst richtig los. Was als politische Fantasy beginnt, wird plötzlich groß, größer, übersinnlich. Aber glücklicherweise ohne die kleinen, feinen Momente, die eine gute Geschichte braucht, zu vergessen.


Elf meint: »Puderzucker«

Die besten Bücher sind doch die, die einen kalt erwischen – weil sie so überraschend gut sind. Teil eins der Powder-Mage-Chroniken ist genau so ein Kandidat. Blutschwur sitzt beim Kapitänsdinner der Fantasy vielleicht nicht direkt am Offizierstisch, aber es bekommt ein hübsches Logenplätzchen im Kerzenschein. Anders gesagt: Brian McClellans Erstling ist rundum gute Unterhaltung. Der Mix aus Oktoberrevolution und Sturm auf die Bastille, das Kanonen- und Guillotinenflair der napoleonischen Zeit, die ans Ungarische erinnernden Eigennamen, ein Handlungsast mit detektivischem Sherlock-Holmes-Feeling und die zumindest teilkreative Idee der Pulvermagie sorgen für Abwechslung im Kapitel und Harmonie im großen Ganzen. Ein Extralob geht an die dynamisch verwobene Figurenriege, allesamt mit authentischen und markanten Biografien ausgestattet, die keine Weste unbefleckt lassen.


Zwerg meint: »Niespulver«

Die Idee der Pulvermagie ist originell, aber schlampig vorgetragen. Wir fassen zusammen: Schwarzpulver ist genau wie sein schneeweißer Verwandter eine Droge. Ungesund, abhängig machend, bewusstseinserweiternd. Der Konsument, äh, Magier schnieft, schluckt oder leckt es, berührt es im Geiste, er ballert damit rum oder jagt es stumpf in die Luft. Aber woher kommt die Begabung, wie funktioniert sie, bei wem und wozu? Schweigen, Grillenzirpen. Was noch? Manchem Dialog und auch McClellans Weltentwurf merkt man die mangelnde handwerkliche Routine eines Debütanten an, die Logik hat viele kleine und auch ein paar schmerzhaft große Löcher auf Lager, und das Ende ist so unangenehm offen wie ein kaputtes Cabriodach im Regen. Aber was solls, solange Spannung und Atmosphäre den Plot zusammenhalten. Und das tun sie – ein gutes Buch.


Blutschwur 2

© Cross Cult

Für …
die Schublade
die Busfahrt
die Ewigkeit

 

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