Rezension: Mark Lawrence – Waffenschwestern – Das erste Buch des Ahnen

Willkommen im Mädcheninternat für minderjährige Meuchlerinnen. Zimperlichkeiten werden an der Pforte abgegeben, denn die Schulstunde endet für gewöhnlich mit Stockschlägen und der Wandertag im Blutbad. Der Auftaktband von Mark Lawrence‘ Trilogie Das Buch des Ahnen schildert die größtenteils leidvolle Kindheit einer verstoßenen, verkauften und vielfach verprügelten Einzelgängerin mit Hang zu blutigen Blackouts, die im klösterlichen Klassenzimmer ihrer wahren Bestimmung auf die Spur kommt.


Hier wartet keine Wohlfühlfantasy, sondern eine im doppelten Sinne eiskalte und sterbende Welt. Welche Art von Geschichte könnte ein solcher Ort wohl erzählen? Überraschenderweise eine von Freundschaft und Vertrauen – in der es natürlich auch ums Wesentliche geht: Würgen, Stechen, Schlitzen.


Elf meint: »Omas Rezept gelingt immer«

»Okay, alles schon mal gehört, aber wenns gut erzählt ist, wieso nicht?«, schrieb ich vor wenigen Wochen zur Ankündigung von Waffenschwestern. Recht hatte ich (räusper). Mit den Grundzutaten Coming of Age, Zauberschule und Auserwählten-Casting liest sich jedes Fantasyrezept schnell altbacken. Aber weil der fertige Kuchen nicht nur kräftig grimdark schmeckt, sondern auch noch Appetit auf mehr macht, ist das alles halb so wild. Mark Lawrence versammelt traurige Mädchen mit noch traurigeren Schicksalen auf der Schulbank und lässt sie von einem illustren Kollegium durchaus lebenslustiger Nonnen in den Mysterien einer Welt unterrichten, deren Uhr unüberhörbar tickt. Und neben der erfrischend originell erzählten Variante eines endzeitlichen Planeten, ist vor allem das Figurenkollektiv der Star der Geschichte. Außerdem Leid, Qual und Schmerz in den schrillsten Tönen. Aber – das sei an dieser Stelle betont – stets im Dienst von Atmosphäre und Authentizität, niemals als Selbstzweck.


Zwerg meint: »Apokalypse mau«

Was genau in Lawrence‘ lebensfeindlicher Welt nicht stimmt, soll an dieser Stelle nicht gespoilert werden, nur so viel: Die Apokalypse schleicht auf interplanetaren Sohlen heran. Womit wir schon beim ersten Problem wären. Nennt mich altmodisch, aber ich kann mir die Endzeit von Mutter Erde beim besten Willen nicht als mittelalterliches Fantasy-Szenario ausmalen. Steampunk, Aliens, sprechende Affen, Nazi-Zombies, von mir aus, aber nicht Schwert und Zauberei. Zweiter Atmosphäre-Killer: Auch dieses Buch leidet unter der weitverbreiteten Seuche der leeren Welt. Ein klösterliches Internat, das wie ein Kindergarten wirkt. Eine Hauptstadt, die wie das letzte Loch wirkt. Ein Land, das wie ausgestorben wirkt. Na ja, zumindest Letzteres hat Lawrence wohl beabsichtigt. Aber weil obendrein seine Stilistik in ihren billigsten Momenten wirkt wie die parfümierte Schreibe eines 15-Jährigen mit Tagebuch und Liebeskummer, und mich das reichlich wirre, langatmige und viel zu offene Buchfinale überfordert statt unterhalten hat, bin ich am Ende froh, diese kalte Welt hinter mir zu lassen. Rückkehr unwahrscheinlich.


Waffenschwestern 2

© Fischer Tor

Für …
die Schublade
die Busfahrt
die Ewigkeit

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s