Rezension: Anthony Ryan – Das Heer des weißen Drachen – Draconis Memoria 2

Mit Drachenblut lässt sich kassieren gut – denken Feudalisten und Kapitalisten gleichermaßen und führen in Anthony Ryans Steampunk-Dreiteiler Draconis Memoria Krieg um die Superkräfte verleihende Substanz. Aber weil die lieben Lindwürmer kein Freiwild mehr sein wollen, haben sie den Spieß umgedreht und machen unter dem Kommando eines geflügelten Moby Dick ab jetzt Jagd auf mickrige Menschlein.


Dampf und Drachen laufen sich in der Fantasy nicht alle Tage über den Weg. Und schon gar nicht derart trashfrei. Spätestens mit Band zwei tauscht Ryans Trilogie die Etiketten – von »Geschmackssache« zu »Gassenhauer«.


Elf meint: »Ob Drache oder Rabe – Hauptsache Ryan«

Der Mittelteil einer Trilogie ist eine undankbare Aufgabe. Offener Anfang, offenes Ende, außerdem muss der Teppich für den finalen Höhepunkt ausgerollt werden, ohne den Leser durch holpriges Hinhalten zu frustrieren. Wie löst Anthony Ryan das Problem? Durch eine beeindruckende erzählerische Vielfalt. Wir erleben einen Spionagethriller, einen Gefängnisausbruch, eine Revolution, eine Arktis-Expedition und sogar eine kleine Reise zum Mittelpunkt der Erde. All das wird aus den wechselnden Perspektiven von vier Protagonisten erzählt, die trotz ihrer Verschiedenartigkeit und nicht immer leutseligen Absichten so sympathisch sind, dass man ihnen die Daumen grün und blau drückt. Ryans Stilistik ist schnell umrissen: Sie geht runter wie ein ölgetränktes Honigbonbon. Er verwendet genau die richtigen Worte und vor allem – was immer noch zu wenige Autoren berücksichtigen – genau die richtige Menge an Worten. Kein Geschwafel, kein Kunstquatsch, sondern schnörkelloses Storytelling auf dem Punkt. Und so ist es gekommen wie es kommen musste: Lag mir nach Band eins der Rabenschatten noch deutlich näher am Herzen, so schlägt die Pumpe inzwischen für beide Reihen. Sorry, Bruder Vaelin.


Zwerg meint: »Flossen hoch, Dino!«

Jetzt mal Butter bei die Fische: Ryans Drachen sind keine Drachen, sondern feuerspuckende Dinos. Rudelbildung, Schwarmverhalten, Artenvielfalt – und auf Goldschätzen hocken sie auch nicht. Der Unterschied ist doch ganz einfach. Drache: Einzelgänger. Dino: Herdentier. Ich schlage jetzt nicht gleich Jurassic-Park-Alarm, aber das musste mal gesagt werden. An dieser Stelle außerdem ein kurzer Ratschlag an den Autor zum Stilmittel Cliffhanger. Einer kurbelt die Spannung an, ein paar vielleicht auch noch, aber wenn jedes, wirklich jedes Kapitel auf diese Weise endet, wirds anstrengend. Und weil ich sonst nichts zu motzen habe, gebe ich noch kurz meinen Senf zum Thema Buchcover: Schön ist es geworden – und thematisch voll daneben. Aber weil das für Band eins sowie die komplette Rabenschatten-Reihe auch schon galt, ist man der Tradition wenigstens treu geblieben.


Das Heer des weißen Drachen 2

© Klett-Cotta

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2 Gedanken zu “Rezension: Anthony Ryan – Das Heer des weißen Drachen – Draconis Memoria 2

  1. ririsfantasyworld schreibt:

    Heey 🙂
    Zwar kenne ich die Reihe noch so gar nicht, aber deine Rezension hat mich neugierig gemacht, vielleicht wird Band 1 auf meine Wunschliste zu Weihnachten landen, denn ob Drache oder Dino, es interessiert mich beides😅
    Deine Rezension finde ich aber auch sonst gut und dein Blog gefällt mir echt gut🙃
    Liebe Grüße
    Riri

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