Rezension: Brian Lee Durfee – Der Mond des Vergessens – Die fünf Kriegerengel 1

Auf fünf Inselkontinenten tobt ein (Religions-)Krieg der besonders blutigen Art. Mittendrin Menschen, Elfen, Zwerge, anderes Getier, ein Protagonist und eine Handvoll Adjutanten, die auf der Suche nach mythischen Artefakten, der Wahrheit über Götter und die Welt und ihrer ganz persönlichen Bestimmung sind.


Wer mag sowas? Fans von Lennister-Intrigen und anderen Staatsaffären. Aber auch Leser, die mit heldenschmalziger Schablonenfantasy und ausufernden Schlachtplatten inklusive Kopf- und Gliederverlust keine Probleme haben.


Elf meint: »Eins von fünf Stockwerken steht«

Brian Lee Durfee tut genau das, was Fantasyautoren zu tun haben: Er baut eine Geschichte und eine Welt. Und beides gelingt ihm ziemlich gleich gut. Seinen kurzweilig von Ort zu Ort und Perspektive zu Perspektive hoppelnden Plot stellt er auf ein komplexes und vor allem stabiles soziokulturelles, politisches und religiöses Fundament. Das Worldbuilding verkommt aber niemals zum Exzess, sondern hält den Leser durch schrittweises Geheimnislüften stets bei der Stange. Das Stichwort, denn Geheimnisse hält nahezu jeder der erfreulich unschwarz-weißen Charaktere bereit – und der mythologische Überbau sowieso. Und weil dramaturgische Hänger deshalb mit der Lupe gesucht und kaum gefunden werden, geht der Daumen hoch für einen Fünfteiler in Planung, dessen Auftakt man das bisschen Pathos gern verzeiht.


Zwerg meint: »Fünf hoch fünf mal Rübe ab«

Fünf Kriegerengel auf fünf Inseln mit fünf mächtigen Waffen und fünf magischen Steinen – ein erzählerisches Grundgerüst irgendwo zwischen Mathe-Hausaufgaben und Grimms Märchen. Oder anders ausgedrückt: Die Idee ist ebenso schematisch wie infantil. Immerhin macht Durfee aus dem Quark noch mehr als man befürchten musste. Trotzdem, die Handlung rumpelt unbeholfen los, hängt zwischenzeitlich kräftig durch und ist die hohe Zahl ihrer Seiten schlicht nicht wert. Vielleicht wollte Durfee zu viel, vielleicht kann er aber auch einfach zu wenig. Letztlich liefert er einen unausgewogenen Genremix ab, bei dem nicht zuletzt Fantasy-Urgesteine wie Zwerge und Elfen in einer ansonsten nüchtern gehaltenen Welt seltsam deplatziert wirken. Und neben Logiklöchern im Worldbuilding, vielfach unnachvollziehbaren Verhaltensweisen der durch die Bank unsympathischen Figuren, einem schlimm stereotypen Frauenbild, ebenso inkonsequenten und hölzernen wie unfreiwillig komischen Eindeutschungen und einem an den Haaren herbeigezogenen finalen Twist, stören vor allem zwei große Kratzer im Lack. Erstens: Wenn Gewalt derart derb, unnötig detailliert und fern der eigentlichen Handlung abgefeiert wird, dann verkommt sie zum voyeuristischen Selbstzweck. Und zweitens: Selbst für den ersten Band eines Mehrteilers provoziert der vergessliche Mond mit zu vielen und deshalb wütend machenden losen Enden.


Der Mond des Vergessens klein

© Klett-Cotta

Für …
die Schublade
die Busfahrt
die Ewigkeit

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